Nun nicken viele in Anbetracht der gewählten Überschrift, nur, dem ist nicht so. Es gibt eine gewisse Form der Unberechenbarkeit resultierend aus psychischen bzw. physischen Problemstellungen, nicht jedoch begründet aus den Umstand heraus der Spezies Hund anzugehören.
Das ist nicht weiter erstaunlich, da der Hund in seiner sozialen Grundausrichtung nicht auf aggressives Verhalten angelegt ist. Es wäre im Sinne einer Lebensweise in der Gruppe kontraproduktiv bzw. destruktiv.
Wir sind aufgezogen worden in einem Umfeld das auf den Menschen abgestimmt ist. Zwangsläufig, da wir dieser Gattung angehören. Problematisch hingegen, das das vermittelte Selbstverständnis darauf ausgerichtet ist, darzulegen, eine besondere Stellung innezuhaben.
Ein Geflecht aus Halbwissen, kulturellen, religiösen Strömungen. Der Mensch der über allem steht, der sich mache die Welt untertan. Ein anthropologisches Weltbild das insgesamt ein brüchiges Gebilde darstellt, vergleicht man die theoretischen Ansätze mit der bestehenden Realität.
Dieser egozentrische Blickwinkel lässt nicht zu, das es Lebewesen, die nicht Mensch sind, gibt, welche in ihrem Verhalten, psychischen Fähigkeiten, nicht gerade auf den Kopf gefallen sind.
Zudem Verhaltensstrukturen wie z.B. das Sozialverhalten keine Erfindung des Menschen sind, sondern ein universelles Überlebensmodell
Belli zeigt Zähne!
Auflösung:... sie gähnt!
Doch zurück zum Hund. Da wir der Ansicht sind, das der Hund nicht so schlau und ausdrucksstark ist wie wir es bei uns vermuten, versuchen wir zu schematisieren, ein Lebewesen in einfache Strukturen zu pressen.
Der Hund wedelt mit der Rute = er ist freundlich gestimmt, der Hund knurrt = er ist böse, der Hund beißt = dann ist eh alles zu spät.
Doch wedelt der Hund mit der Rute, knurrt nicht, greift trotzdem an = der Hund ist unberechenbar. Einfache Denkmuster, die in Anbetracht der immer wieder dargestellten geistigen Fähigkeiten des Menschen ein großes Fragezeichen ergeben.
Lösung des Problems ist eine differenzierte Betrachtungsweise mit einer Unbekannten welche in Form einer genauen Beobachtung, Kenntnis des Hundes gelöst werden kann. Wobei, das ist natürlich gar nicht im Sinne des Zweibeiners, nicht zu 100%
Man spricht gerne von Decodierung einzelner Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem Gesamteindruck. Hierbei bezogen auf Körpersprache, Lautäußerungen. Das hilft in den meisten Fällen weiter.
Ganz so einfach macht es uns der Hund hingegen nicht. Paradoxe Verhaltensäußerungen, Angewohnheiten, Erfahrungen spielen weiterhin eine Rolle. Zuguterletzt der psychische wie auch physische Zustand.
 
Er lässt sich nicht in eine mathematische Forme pressen, ist kein Gerät an dem sich ein Knopf befindet und schon läuft alles wie gewünscht. Es gibt keine Gebrauchsanweisung mit genauen Angaben wann und wieso der Hund nun so oder so reagiert. Und wieder zum Hunde, seinem körperlichen Ausdrucksverhalten.
 
Was bedeutet nun das Wedeln mit der Rute?
Richtig, einerseits zeigt er an das er freundlich gestimmt ist... sollte man meinen. Das Wedeln jedoch hat bei Betrachtung des Hundes unterschiedliche Funktionen. Es kann bedeuten freundlich zu sein, es kann bedeuten aufgeregt zu sein, es kann bedeuten = hier bin ich, sei vorsichtig.
Zu betrachten ist hierbei die Intensität, die Art und Weise wie auch der gesamte Ausdruck des Hundes in seinem Habitus. Fehlt dem Hund die Rute kann es etwas peinlich werden. Gott sei Dank ist grundlegend das Kupieren von Köperteilen in Deutschland verboten. Natürlich gibt es Ausnahmen mit den fadenscheinigsten Argumenten. Eine Akzeptanz erfährt einzig und allein eine medizinische Notwendigkeit.
Für den Hund ist die Rute u.a. ein wichtiges Ausdrucksmittel. Na ja, wer Hunde nicht versteht schnippelt gerne irgendwo herum um sein merkwürdiges ästhetisches Denken kundzutun. 
Sina zeigt Zähne!
Auflösung:... sie lacht... hier etwas verunglückt!
Efendi zeigt Zähne!
Auflösung: ... zieht die Mundwinkel zurück,
 selbst hingegen entspannt
Warum knurrt und bellt der Hund?
Einerseits negativ unterlegt = Vorsicht. Es kann aber auch die Auforderung zum Spiel, Wohlgefallen ausdrücken, Wünsche untermalen. Es hat wie auch das Wedeln mit der Rute mehrere Funktionen.
Gleiches gilt für das Bellen. Abwehr, Wut aber auch Freude kommen zum Ausdruck. Klang, Intensität, Körperhaltung muss hierbei - wie bei allen Aktionen - betrachtet werden.
Damit es noch schwieriger wird gibt es widersinnige Verhaltensweisen. Der Hund scheint freundlich gestimmt doch wird auf einmal recht unangenehm. 
Hier spielen Gemütszustände, Ängste, Erfahrungen wie auch regelrechte angelernte Rituale eine Rolle. Sehr schwierig wird es wenn der Hund in irgendeiner Form erkrankt ist.
Er kann nicht sagen, das es ihm bescheiden geht, er drückt es aus.  Dabei sind auf zum Teil winzige Änderungen in der Mimik, Körperhaltung, Lautäußerung zu achten.
Zuguterletzt kann es passieren, das der Hund ein sehr negatives Verhalten zeigt das er selbst nicht steuern kann.
Ich hatte so etwas in Form des Hovawartes Larry welcher aus dem Nichts heraus extrem aggressiv reagierte, wie im Wahn angriff und wahllos zubiss.
Das jedoch sind seltene Ausnahmen die zugegeben extreme Folgen haben können, doch nicht mit einer Unberechenbarkeit des Hundes an sich in Verbindung gebracht werden kann.
Wichtig bei jeglichem Umgang mit dem Hund ist die Fähigkeit sich einzufühlen, genauestens zu beobachten. Er ist, wie schon beschrieben, keine Maschine sondern ein fühlendes, seiner Art gemäß denkendes Lebewesen. Er unterliegt gleichsam emotionalen Strömungen, ist nicht immer gut drauf.
Achtung, Respekt, Verständnis sind die Schlüssel um zu verstehen. Dazu völlige Abkehr von einer rein schematischen Denkweise, begründet auf irgendwelche Techniken welche gerne publiziert, doch nie universell gelten.
Ist das gegeben, so wird man sich schnell bewusst, das der Hund insgesamt nicht unberechenbar ist. Er kennt, so bislang die Kenntnis , keine Hinterlist. Diese  fragwürdige Eigenschaft ist, bzw. wird derzeit nur dem Menschen zugesprochen. Ob das nun positiv zu sehen ist mag ich arg bezweifeln.
Mein Vertrauen einem Hund gegenüber ist deshalb zwangsläufig weit höher anzusiedeln als das Vertrauen Menschen gegenüber. Der Hund verschleiert nichts, er drückt es aus.  Er zeigt Klasse, Persönlichkeit da er, vermenschlicht ausgedrückt, es nicht nötig hat sich zu verstellen.
Das lässt viele Spekulationen verstummen, das wir Zweibeiner das höchste der Gefühle seien. Dem ist wohl längst nicht so.
 

 

Der Hund bzw. das Tier ist definitiv keine Maschine nach der vor über 350 Jahren dargelegten Ansicht / Definition des französischen Philosophen Descartes. 
 Ich habe keine Ahnung ob er das, was er zu Papier brachte ernst meinte oder aber seine Zeitgenossen veräppelte um sich danach vor Lachen zu biegen.
Gilt Letzteres so hatte der Mann Humor, meinte er es ernst .... armes Kerlchen.
Doch was ist so problematisch bzw. hindert uns daran unseren Mitlebewesen ebenfalls Eigenschaften zuzugestehen die mit den Fähigkeiten zu denken, zu fühlen, zu definieren sind?
Ist es unser provinzielles Denkmuster oder die Angst das der selbstgebastelten Krone ein Eckchen herausbricht?
Wir sollten versuchen die uns gegebenen Fähigkeiten zu nutzen, einzusetzen, anstatt sie relativ bewegungsunfähig in Form unseres Gehirnes im Kopf versauern zu lassen.
Sicher, es bedeutet zu denken, zu lernen, zu begreifen. Alles Attribute die wir uns zugestehen und trotzdem nicht befähigt, diese einzusetzen.
Hierbei ohne den Ballast  irgendwelcher festgefahrenen Dogmen, Überlieferungen, auch religiösen Gedankenmodellen welche oftmals mehr zerstörten als weiter entwickelten. 

Renatus Cartesius, 
französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler, 
 31.ÿ3. 1596, ÿStockholm 11.ÿ2. 1650. t

So... und nun schaut mir mal ganz tief in die Augen, tiefer, noch tiefer, noch tiefer!!

"Unberechenbarkeit" ... dieses Adjektiv habt Ihr Menschen erfunden! Und da es nicht in Eurem Sinne ist uns zu "vermenschlichen" so wendet doch Eure Wortschöpfungen auf Euch selbst an. Wir sind als Hunde definitiv nicht unberechenbar, werden von Euch in irgendeine Schublade gesteckt nur weil Ihr kein Verständnis für uns aufbringt, oder aber uns so "erzieht" das wir über Gebühr handeln. Also lasst es einfach!

Efendi der Türke

 

Uwe Hermann

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