- Historie -

In Süddeutschland, genauer gesagt, in Baden-Württemberg, in Schwaben, liegt die reizvolle Stadt Leonberg, unweit von Stuttgart, der Landeshauptstadt. In der Stadt Leonberg lebte von 1808 bis 1889 Heinrich Essig, Stadtrat und Hundezüchter, nach den heutigen Maßstäben vielleicht (wahrscheinlich) auch Hundehändler, denn er hielt und züchtete Hunde verschiedener Rassen.

Ob er nun wirklich, wie es so schön heißt - und sich auch so schön anhört - seiner Stadt Leonberg zu einem vierbeinigen Stadtwappen verhelfen wollte - das Stadtwappen ist ein Löwe - oder ob ihn andere Gründe zu dieser Neuzüchtung bewogen, wir werden es heute, fast 100 Jahre nach seinem Tode, nicht mehr genau nachvollziehen können.

Heinrich Essig war im Besitz einer schwarzweißen Neufundländer-Hündin, heute als eigene Rasse Landseer bekannt und durch gute Kontakte zum Klosterhospiz Großer St. Bernhard kam er an einen langhaarigen Bernhardiner-Rüden. Heinrich Essig verpaarte diese Tiere und nahm mit den aus diesem Wurf gefallenen Tieren - unter weiterer Einzüchtung von Pyrenäen-Berghunden - weitere Zuchtversuche vor. Essig bevorzugte bei seiner Neuzüchtung viel Weiß. Diese Neuzüchtungen erreichten Bernhardiner-Größe und existierten in verschiedenen Farbschlägen, vorwiegend jedoch mit langem, weißem Fellkleid. 1846 wurde der erste echte "Leonberger" geboren. Es war gelungen, in dieser neuen Rasse die geschätzten Eigenschaften des Bernhardiners, Neufundländers und Pyrenäen-Berghundes zu vereinen und es begann - zunächst - der Siegeszug dieser neuen Rasse.

Berühmtheiten des 19. und 20. Jahrhunderts fanden Gefallen am Leonberger, so besaß die Kaiserin Elisabeth von Österreich insgesamt 7 Leonberger; der Preis soll 1400 Silbergulden betragen haben. Kaiser Napoleon III., der Prince of Wales, König Umberto und Garibaldi besaßen Leonberger. Und in Deutschland fanden Friedrich von Baden, Richard Wagner und Bismarck einen Leonberger.

Aus alten Tageszeitungen der damaligen Zeit, z.B. "Schwäbischer Merkur" 11. Nov. 1862 ist zu entnehmen, "dass diese große langhaarige Hunderasse ein Luxusartikel geworden ist ..... durch die angeborene Gutmütigkeit besonders bei Damen beliebt ...".

Dem ersten rasanten Siegeszug folgte aber auch gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein tiefer Fall und aus dieser Zeit resultiert auch der verächtliche Ausspruch "Was man nicht definieren kann, sieht man gut als Leonberger an".
Dennoch - der sanfte Löwe hatte sich wohl schon zu tief in die Herzen einiger Menschen eingeschlichen, die sich um die Rasse, deren Fortbestand und Weiterzucht, bemühten und im Jahre 1895 entstand der "Internationale Club für Leonberger Hunde" mit Sitz in Stuttgart, es folgten 1901 und 1908 weitere Leonberger Club-Gründungen. Einen harten Einbruch erlitt die Hundezucht durch den Ersten Weltkrieg und dennoch:
 Bereits im Jahre 1924 gab es eine Zeitung

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"Leonberger" Illustrierte Zeitschrift für Züchter
und Liebhaber des "Leonbergers" im In- und     Auslande.
Herausgegeben v. Leonberger (Hunde)=Club E.V., die am 10. jeden Monats erschien.Das ist für mich einfach deshalb erwähnenswert, weil ich vor diesen Menschen heute nachträglich den Hut ziehe, denn eine Zeitung zu gestalten - ohne Hilfsmittel wie elektrische Schreibmaschine, Korrekturbänder, -flüssigkeiten, Klebetechnik oder gar mit Hilfsmitteln wie Textverarbeitungsmaschinen und Personal Computer, das ist eine Leistung, die man auch noch 75 Jahre später schätzen und anerkennen muss und deshalb erwähne ich das hier. 

Auch der Zweite Weltkrieg hinterließ eine tiefe Furche und hier muss man auch erwähnen, dass der sanfte Löwe aus Schwaben schon längst auch die Herzen der Menschen in Norddeutschland erobert hatte und dass Züchter aus Norddeutschland wesentlich daran beteiligt waren, die Rasse über den Zweiten Weltkrieg hinüberzuretten.

Auch in der Neuzeit waren die Leonberger beliebt und an bekannten Namen seien hier erwähnt, die Familie des Komponisten Carl Orff, die 2 Leonberger besaß, der Sänger Adamo hielt Leonberger Hunde und der Sänger Ivan Rebroff züchtete einige Jahre Leonberger.

Und die Zucht der Leonberger blieb nicht auf das Ursprungsland Deutschland beschränkt. Bereits am 26.08.1927 fiel in Newark im US-Staat New Jersey der erste Wurf des Berkeley-Kimmel-Zwingers, Züchter war ein gewisser Herr Wolf und die Eltern dieser ersten amerikanischen Leonberger waren der deutsche Rüde Belial v. Pulverturm und die Hündin Asta v. d. Krone. Sogar in Riga (Lettland) fand man deutsche Leonberger, ebenso in den Grenzgebieten zum heutigen Tschechien.
Die französische Leonberger Zucht, beginnend im Jahr 1937, basiert ebenfalls auf zwei deutschen Zuchttieren.
Es wurden zunehmend Clubs in den Nachbarländern Holland, Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Österreich und in den letzten Jahren auch Tschechien, Schweden, Norwegen, Finnland, Great-Britain und USA gegründet. Selbst im fernen Japan hat der Leonberger Freunde gefunden.

Rassehundezucht wird von den jeweiligen kynologischen Verbänden eines Landes, in Deutschland ist der größte kynologische Verband der Verband für das Dt. Hundewesen - VDH - auf nationaler Ebene und von der Fédération Cynologique Internationale - FCI - auf internationaler Ebene vertreten. Bei der FCI ist auch der jeweilige Rassestandard hinterlegt, an dem sich die Zucht und die Bewertungs-Maßstäbe für Ausstellungsbeurteilungen orientieren. Unter der FCI-Nr. 145 wurde der erste Standard 1955 festgelegt; dieser war im wesentlichen eine Weiterentwicklung früherer Standards von 1895, 1922 und 1938. Zuletzt wurde der Standard zum 01.01.1996 geändert.

Und da ja das Schönheitsideal - bei Zwei- und Vierbeinern - bekanntlich dem Wandel der Zei-ten unterworfen ist, möchte ich auch kurz erwähnen, daß die Leonberger der Zwanziger Jahre ein wenig anders aussahen als die heutigen Schönsten der Schönen - die Schönheitsideale der Menschen haben sich von der göttlichen Garbo bis Cindy Crawford oder  von xxx bis Robert Redford auch ein wenig gewandelt und so wurde wohl auch das Schönheitsideal der einzelnen Hunderassen dem modischen Wandel der Zeit angepasst.

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Und im Zeitalter der Technik, insbesondere des Personal Computers, stehen mannigfache Möglichkeiten zur Verfügung, via Spezialprogrammen und Internet Kontakte weltweit auf- und auszubauen - und an einem solchen Programm arbeite ich zusammen mit zwei Freunden. Wir haben - beginnend 5/1995 bis 4/2001 - inzwischen einen Datenbestand von über 60.000 Leonberger Hunden weltweit erfasst, von den ersten verfügbaren Daten Anfang der Zwanziger Jahre bis ins Jahr 1996. Diese elektronische Datenbank wird ständig aktualisiert..  Dank modernster PC-Technik können nicht nur nackte Daten, sondern auch Zusatzinformationen verschiedenster Art (Gesundheits-, Ausstellungsergebnisse, Fotos, Wurfplanungen, Inzucht- und Ahnenverlustkoeffizient etc.) ermittelt werden.

Und seien Sie absolut sicher. Das Misstrauen diverser Vereinsstrategen ist mir / uns ebenfalls sicher. Das Maß an Unkenntnis, nicht wahr - haben - wollen ist immens. Lassen Sie sich nicht täuschen. Das Zuchtgeschehen basiert zu einem enorm großen Teil auf Ausstellungsergebnissen. Das die Informationen aus diesem Bereich in keinster Weise genügen um Probleme in den Linien auszuloten / entgegenzuwirken wird Ihnen jeder bestätigen der sich mit der Materie der Genetik etc. auseinandersetzt.

Für den Hundefreund sind diese Informationen nicht unbedingt notwendig, wenngleich nicht uninteressant, für Züchter - oder solche, die es werden wollen - können diese Informationen - richtig eingesetzt und genutzt - eine wertvolle Entscheidungshilfe sein.

    

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